Anläßlich des 50jährigen Bestehens der Bürgerwehr "Josef Stoll" Bensheim (1981) wurde vom Vorstand der Heimatvereinigung "Oald Bensem" beschlossen, einen lange gehegten Wunsch der Bürgerwehr zu erfüllen. Es sollte eine neue Fahne gefertigt werden, die zu der Uniform der Bürgerwehr paßt.

Die eine Seite sollte die Verbindung zum Großherzogtum Hessen-Darmstadt herstellen - Bensheimer Ausschußangehörige und Bensheimer Miliz waren zu den verschiedensten Militärdiensten eingesetzt und die Bürgerwehr trägt ja, nach Überlieferung von Josef Stoll, die Uniform der hessischen Landwehr von 1814 -, die andere Seite soll dokumentieren, daß sie Bürgerwehr von Bensheim ist.

In einer Sitzung des Vorstandes wurden die Arbeiten von Werner Fillauer und Thomas Wolf vorgestellt und diskutiert. Einstimmig entschied man sich für den von Thomas Wolf vorgelegten Fahnenentwurf. Die Maße des Fahnentuches wurden, der damaligen Zeit entsprechend auf: Höhe 112 cm, Breite 109 cm festgelegt. Als Vorbild für die Vorderseite war die Fahne des Garde-Füsilier-Regimentes, verliehen am 8. Februar 1814, gewählt worden, da bis zu diesem Zeitpunkt keine Vorlage einer Fahne der hessischen Landwehr der Provinz Starkenburg in den verschiedensten Unterlagen zu finden war.

Oald Bensem Fahne der Buergerwehr Seite 1 Oald Bensem Fahne der Buergerwehr Seite 2

Auf weißer Fahnenseide rote Balken in der Diagonalen. In der Mitte ein ovales blaues Schild mit dem rot-weißen Wappenlöwen, das Gesicht zur Stange gerichtet, umgeben von einem grünen Eichen- und Lorbeerkranz, darüber das rot und schwarze Devisenband mit:

Gott - Ehre - Vaterland

darüber die goldene Krone. Die Kranzzweige sind unten mit einem rosaroten Band verbunden. In den vier Ecken befindet sich in Gold je ein "L" mit der Krone von einem grünen Eichen- und Lorbeerkranz umgeben, der ebenfalls unten mit einem rosa Band verbunden ist. Auf der Rückseite ist ein Stück der Bensheimer Geschichte dargestellt. Auf weißer Fahnenseide rote Balken in den Diagonalen. In der Mitte auf einem weißen, gold umrandeten Schild der Schutzpatron von Bensheim, St. Georg in Ritterrüstung zu Fuß, mit der Fahnenlanze in der Rechten und in der Linken den silber und rot schräggestellten Schild mit dem schwarzen Gemerke "B" im oberen Feld, ebenso auf dem Lanzenwimpel. Zu Füßen des St. Georg krümmt sich ein in den Schaft der Lanze beißender Lindwurm.

Um das Mittelemblem herum der Spruch:

Recht muß doch Recht bleiben Benßheimb.

In den Ecken befinden sich Wappenschilde von: Kloster Lorsch, Kurmainz, Kurpfalz und Hessen-Darmstadt. 

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Die Bensheimer Fahnenseite

Das älteste Bensheimer Siegel aus dem 14. Jahrhundert zeigt den Mainzer Erzbischof als Stadtherrn. Daneben aber tritt im Stadtwappen - wohl nicht vor Ende des 16. Jahrhunderts - an der Stelle des Stadtherren der Patron der städtischen Pfarrkirche St. Georg, und zwar zu Fuß mit der Fahnenlanze in der Rechten und in der Linken den silber/rot schräggestellten Schild mit dem schwarzen Gemerke "B" im oberen Feld, ebenso auf dem Lanzenwimpel. Zu Füßen des St. Georg krümmt sich ein in den Schaft der Lanze beißender Lindwurm. Hierdurch wird der Schild eindeutig als Bensheimer Wappen gekennzeichnet, während der St. Georg lediglich als Schildhalter und damit in einer Funktion erscheint, wie sie für die örtlichen Patrone typisch ist.

Da auch Merian in seiner Beschreibung des Kurfürstentums Mainz um 1640 dieses Wappen verwendet, ist anzunehmen, daß dies als ältestes Bensheimer Wappen gilt, zumal auch Günther bemerkt, daß in Bensheim Siegel und Wappen verschieden sind." Als Vorbild für den St. Georg diente eine Darstellung im Hessischen Wappenbuch von 1893. Um den St. Georg steht der Spruch: Recht muß doch Recht bleiben Benßheimb.

Dieser Spruch wurde für die Bensheimer Ausschußfahne als Wahlspruch gewählt, die vom Rat der Stadt Bensheim am 5. März 1634 für den Bensheimer Ausschuß bewilligt wurde. In den Ecken der Fahne sind die Wappen der ehem. Landesherren, die in Bensheim im Laufe der Jahrhunderte die Herrschafts- und Verwaltungsrechte ausübten, dargestellt.

Seit der Gründung des Klosters Lorsch durch den Erzbischof von Metz, Chrodegang, im Jahre 764 , waren auch die Geschicke von Bensheim eng mit dem damaligen Benediktinerkloster verbunden. Nach der Auflösung des Klosters übertrug Kaiser Friedrich II. die Fürstabtei am 11. April 1232 dem Erzbischof von Mainz, Siegfried III. von Eppstein (1230 - 1249), samt dem dazugehörenden Gebiet und somit auch Bensheim.

Durch kriegerische Auseinandersetzungen des 1459 gewählten Dieter von Isenburg zum Kurfürsten zu Mainz mit Adolf von Nassau, mußte die mainzische Bergstraße samt Bensheim an den Waffengenossen von der Pfalz für 100 000 Gulden verpfändet werden. Die sechsjährige Zugehörigkeit zur Grafschaft Katzenellenbogen, 1349 - 1355 ist hier nicht berücksichtigt. Nach dem 30jährigen Krieg wurde Bensheim durch den Sieg der katholischen Liga wieder an - Kurmainz angegliedert und verblieb dort von 1648 - 1803.

Als die kirchlichen Güter durch den Reichsdeputationshauptschluß von Regensburg 1803 säkularisiert wurden, kam Bensheim an die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und gehört bis zum heutigen Tage zum Staatsgebiet des Bundeslandes Hessen. 

Fahnen,das Sammelzeichen der Truppen, das Symbol der Zusammengehörigkeit, das von den Soldaten als ein Heiligtum betrachtet wird, auf das er den "Fahneneid" leistet, führten die hessischen Truppen seit den ältesten Zeiten. Jede Kompanie, früher "Fähnlein" genannt, hatte, wie es damals Brauch war, ihre Fahne. Auch bei dem Landausschuß, der hessischen Landwehr, werden die "Centfahnen" in den ältesten Zeiten erwähnt.
 

In den Jahren bis 1814 wurden die Fahnen öfter erneuert, teils bei Neuformationen, teils auch bei Wechsel des Regenten, der als Landes- und Kriegsherr sein Wappen und seinen Namenszug auf die Fahne brachte. Es ist auch nicht zu gewagt, diese alte hessische Sitte, der Erneuerung der Fahnen, auf eine alte deutsche Sitte der Landsknechte zurückzuführen.

Die Farben der Fahnen gaben in früheren Zeiten, als die Kleidung der Truppen noch nicht einheitlich war, öfter den Grund zur Benennung der Regimenter. Später stimmten sie vielfach mit den Regimentsfarben, d.h. den Farben der Kragen und Aufschläge etc. überein.

So verlieh auch Großherzog Ludwig I. seinem, für den Rußlandfeldzug 1812 neuformierten, provisorischen leichten Infanterie-Regiment (gebildet aus dem Garde-Füsilier-Bataillon und dem 1. Leib-Füsilier-Bataillon), das am 17. Juni 1813 zum Garde-Füsilier-Regiment ernannt wurde, am 8. Feb. 1814 neue Fahnen.

Seine königliche Hoheit, Großherzog Ludwig I., ließ sämtliche neuen Fahnen, die 1814 verliehen wurden, nach einem einheitlichen System in gleicher Größe anfertigen. Gemeinsam trugen sie in der Mitte das großherzogliche Wappen, in den Ecken und in der Spitze den allerhöchsten Namenszug. Unterschieden waren sie durch die Grundfarbe der Fahnentücher. Das Garde-Füsilier-Regiment, das, wie das Leib-Garde-Regiment, zur Garde-Brigade gehörte, unterschied sich vom Schwesternregiment durch die roten Balken auf dem historischen weißen Fahnentuch.

Überreicht wurden die Fahnen am 8. Feb. 1814 auf dem Paradeplatz in Darmstadt. Gleichzeitig wurden die Regimenter auf die neuen Fahnen vereidigt, unter denen sie auch im Frankreichfeldzug 1814 / 1815 kämpften. Änderungen, welche überhaupt nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Kriegsherrn vorgenommen werden durften, fanden in den nächsten Jahrzehnten nicht statt. Die Fahnen, welche nur bei feierlichen Gelegenheiten geführt wurden, befanden sich ,für gewöhnlich in Darmstadt im Residenzschloß. Beim Exerzieren bedienten sich die Truppen besonderer Exerzierfahnen, die von weißer Grundfarbe, mit roten Balken in den Diagonalen, waren.

entnommen: Heimatvereinigung "Oald Bensem" (Hrsg): Festschrift zum 50 jährigen Jubiläum der Heimatvereinigung "Oald Bensem" e.V. , Historischen Bürgerwehr "Joseph Stoll Bensheim und Biedermeiergruppe, Bensheim, 1981, Seite 29-30.