Oald Bensem: Rasante Aufführung der Theatergruppe im drei Mal ausverkauften Parktheater Ein Weingut und die große, weite Welt

Bensheim. Drei Aufführungen und drei Mal ein ausverkauftes Parktheater: Deutlicher kann ein Erfolg nicht mehr ausfallen. Die Zuschauer wissen, was sie erwartet, wenn die Theatergruppe der Heimatvereinigung Oald Bensem auf den Bühnenbrettern steht: glänzende Unterhaltung, Witz, Humor und viel Lokalkolorit im Bensheimer Dialekt. Die Inszenierung gab dem Lustspiel "Theater auf der Küchenbank" von Renate Reuß unter dem Titel "Doischenanner in de Bäsemkammer" einen regionalen Anstrich, der immer wieder Quelle für Gags war. Beim Publikum landeten die Akteure mit der kurzweiligen Aufführung einen Volltreffer. Der begeisterte lang anhaltende Schlussapplaus nach einem dreistündigen Theatervergnügen spricht eine deutliche Sprache. Aufwendiges Bühnenbild
Als sich der Vorhang öffnete, ging angesichts des aufwendig gestalteten Bühnenbildes ein Raunen durch den Zuschauerraum. Die Kulisse zeichnete die Wohnstube der Winzerfamilie Holzner mit viel Geschmack und einer großen Liebe zum Detail. Die Frau des Hauses, Irma Holzner, wunderbar dargestellt von Sonja Rödel, hält fest das Heft in der Hand. Sie zeigt nicht nur der Männerwelt, woher der Wind weht, sondern ist zudem auch geschäftstüchtig. Sie will den Winzerhof auf einen guten wirtschaftlichen Zweig bringen und bietet ab sofort unter dem Motto "Ferien auf dem Bauernhof" Touristen eine Unterkunft. Am Frühstückstisch schlägt sie in großer Geste den Bergsträßer Anzeiger auf und verweist auf ihr Inserat. Den anderen Familienmitgliedern verschlägt es die Sprache. Fakten sind geschaffen, bevor jemand ein Wort des Protestes über die Lippen bringen kann.
Mit dem Besuch von Touristen aus der Großstadt bricht eine neue Welt in das heile Landleben ein. Lang glaubt Irma Holzner, dass sie mit ihren scharfen Tönen die Männer auf der richtigen Spur hält. Doch die Herren im Haus schweben schon längst auf einer anderen Wolke.
Spätestens als Chantalle, die begehrte Tänzerin einer Nachtbar, auftaucht, gehen ihre Hormone auf Achterbahnfahrt. Daniela Zeig stattet die Figur mit einem verführerischen, sirenenhaften Charme aus, dem offensichtlich kein Mann standhalten kann. Zum Beispiel der Hausherr Gerd Holzner, bei dem sie neue Lebensgeister weckt. Peter Jeckel schlüpft in die Rolle des Winzers, der im Widerstreit zwischen bäuerlichem Alltag an der Seite einer Wort führenden Frau und der weiblichen Verführung steht. Im selben Boot sitzt der Knecht Johann, dargestellt von Rudolf Wolf. Er bringt mit großer Spielfreude einen Charakter auf die Bühne, der mit Hinterlist, Bauernschläue und Schlagfertigkeit agiert. Moni Holzner (Melanie Vollrath) ist die resolute Tochter des Hauses, die in dem Touristen Ludwig Hecht (Daniel Faust) die große Liebe findet. Er ist in seiner unbeholfenen aber äußerst liebenswerten Art ihr passendes Gegenstück.
Friedhelm Volk spielt die Rolle des galanten Touristen aus Heppenheim, der ebenfalls seine Freude auf den Abwegen im Nachtlokal findet. Seine engstirnige Frau - gespielt von Christina Gerber - hat über ihre Litaneien als Schönheits- und Gesundheitsapostel wenig zu sagen.
Die Männer packen die Koffer
Es kommt in dem Stück, wie es kommen musste. Eine Konfliktblase platzt, die Männer packen ihre Koffer und ziehen auf Nachbars Hof. Bauer Andres (Klaus-Dieter Melzer) gibt ihnen Asyl. Der Konflikt spitzt sich zusehends zu, wäre da nicht die Oma Holzner, die als alte erfahrene Frau weiß, wie das Leben spielt. Maria Ameis füllt diese schwierige Figur mit Leben aus. Auf der einen Seite unterwirft sie sich den familiären Beschlüssen und lässt sich sogar aufs Abstellgleis abschieben. Sie zieht sogar in die Besenkammer um, um Touristen Platz zu bieten.
Hier muss sie jede Nacht um vier Uhr das Bett räumen, das die Bardame belegt. Doch sie weiß in ihrer Weitsicht die Reißleine zu ziehen und Intrigen so zu schmieden, dass das familiäre Glück wieder im Fluss ist. Mit dem Stück zauberte Oald Bensheim wieder eine rasante Inszenierung mit viel Witz und Esprit aus dem Hut. So imposant wie die Charaktere war auch die Kulisse, die Karl-Heinz Zahn, Werner Rödel und Jens Biebesheimer bauten. Andrea Jünemann soufflierte und Doris Walter sorgte für die Maske. moni
Bergsträßer Anzeiger 08. Dezember 2008

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