Oald Bensem: Theatergruppe lieferte eine erstklassige Premierenvorstellung ab

Bensheim. Wenn Jugendsünden wieder in Erinnerung gerufen werden und in Form einer jungen, adretten Italienerin leibhaftig dastehen, verursachen sie auch nach 20 Jahren viel Wirbel.
Aus dem Stoff knüpfte die Theatergruppe der Heimatvereinigung Oald Bensem ihre neue Inszenierung. Die Premiere am Samstag im Parktheater bescherte nicht nur ein volles Haus. Das begeisterte Publikum amüsierte sich auch prächtig und spendete zum Schluss stehende Ovationen für einen kurzweiligen Abend.
Das Ensemble tauchte den Schwank "Die Senorina aus Messina" von Wilfried Reinehr unter dem Titel "Es schläächte Gewisse" in Bensheimer Kolorit. Man arbeitete gekonnt die ergötzlichen Spitzen heraus, die vor allem die kuriosen Situationen hergaben.
Das Stück schöpfte aus dem Klischee des Geschlechterkampfes: auf der einen Seite die Frauen, die den Männern sagten, wo es langgeht; auf der anderen Seite die Männer, die durch die kleinen Lücken des Alltags schlüpften, die ihnen noch blieben. Der Stammtisch war ihr Revier. Hier fand der Bäckermeister Silvester Schlitz Erholung vom "Hausdrachen" und der ledige Otto Steinbeißer seine Auszeit vom Beamtenschlaf. Dritter im Bunde des Männervereins war Emil Obermeier, der Bruder der Gastwirtin.
Rudolf Wolf als Silvester Schlitz wusste die Rolle des geprügelten Ehemannes mit viel Esprit und großen Gesten auszufüllen. Er zeigte eine hohe Bühnenpräsenz. Mit großer Bewegungsfreude untermauerte er die Rolle des Geknechteten, der sich ein ums andere Mal die Tracht Prügel von seiner Furie Agathe (Kathrin Eichhorn) einfing.
Sein Busenfreund Emil Obermeier, gespielt von Peter Jeckel, musste den Kampf gegen das starke Geschlecht auf verbaler Ebene führen. Seine Schwester Emma Obermeier (Sonja Rödel) ließ als resolute Gastwirtin keinen Zweifel aufkommen, wer im Hause regiert.
Ganz anders gestaltete sich die Rolle von Otto Steinbeißer. Er hat es sich im Beamtenstatus gemütliche gemacht. Ein ums andere Mal ist sein Job Quell für heftige Sticheleien.
Der Auftritt der jungen Italienerin Isabella del Saliba warf die Hormone der Männer mittleren wie jüngeren Alters durcheinander. Die Erinnerungen an vergnügliche Urlaube in Riva bekamen beim Bäckermeister Schlitz und Dessous-Verkäufer Obermeier urplötzlich einen faden Beigeschmack.
In Frauenkleidern auf der Bühne
Denn die Spuren auf der Suche nach ihrem leiblichen Vater führte die "Bonita" nach Bensheim. Bei dem Gedanken an mögliche Unterhaltsforderungen gingen die beiden in Deckung und gaben sich eine weibliche Identität. In Frauenkleidern und mit piepsender Stimme sorgte das schräge Pärchen für viel Heiterkeit. Zumal es sich im Gasthaus "Zum wilden Eber" mit frechen Kommentaren nicht zurückhielt.
Die beiden Akteure würzten ihre Figuren gekonnt mit kuriosem Witz und einer gehörigen Portion Schlitzohrigkeit. Im Kontrast dazu standen die Frauenfiguren auf der Bühne weitaus gradliniger da. Sie boten eher die Reibefläche für die alten Herren, die offensichtlich die jugendliche Freiheit und Grenzenlosigkeit bis ins hohe Alter für sich gepachtet hatten. Emma Obermeier als solide agierende Gastwirtin, Ingrid del Saliba, die als vermögende Dame die Bodenhaftung nicht verloren hat, wie auch Agathe Schlitz, die ein ums andere Mal wutentbrannt über die Bühne fegte, um ihren Mann in die Schraken zu weisen.
Die jugendliche Generation nahm die Turbulenzen ihrer Eltern gelassen hin. Sie konzentrierte sich lieber auf ihre Liebestechtelmechtel. Ort des Geschehens war in allen drei Akten die Gaststube "Zum wilden Eber". Sie machte ihrem Namen alle Ehre. Nicht nur aufgrund des Trubels, der in der Gaststube tobte. Auch im Hinblick auf das Ambiente. Denn neben Landschaftsbildern prunkte der ausstopfte Kopf des Wildschweins als symbolträchtige Trophäe an der Wand.
Vereinsvorsitzender Werner Rödel war begeistert von der Leistung der Truppe. Er nahm die Premiere zum Anlass, zwei engagierte Theaterspieler zu ehren. Maria Ameis hatte sich vor zwei Jahren von der Bühne verabschiedet. Sie war über 40 Jahre hinweg eine treibende Kraft für Bühnenauftritte. Günther Ameis habe als Mann "für alle Fälle" wertvolle Theaterarbeit im Hintergrund geleistet.
moni, Bergsträßer Anzeiger, Montag, 25.10.2010

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