Oald Bensem begeistert Publikum restlos

Bergsträßer Anzeiger 17.11.2014
PREMIERE: Laienschauspieltruppe brillierte im Parktheater mit Komödie „Der Kurschatten“


BENSHEIM. Kurschatten, Wellness-Liebschaften, ein Opa auf großen Freiersfüßen, Männer als Frauen und Heiratsschwindler: Der pikante Zusammenschnitt der Rollen lässt die Turbulenzen erahnen, die Oald Bensem in ihrer jüngsten Inszenierung auf der Bühne des Parktheaters ausbreitete. Eine Verstrickung jagte die nächste. Mit dem Schwank "Der Kurschatten - Veilchenduft im ,Omm-nibus'" servierte die schauspielende Truppe den Komödienfreunden herzhafte Kost, reihte Gag an Gag und riss das Premieren-Publikum am Samstag von einer Lachsalve in die nächste. So gab es über zweieinhalb Stunden hinweg im Saal keine Minute des beschaulichen Zurücklehnens.
Ein Raunen ging bereits durchs Publikum, als sich der Vorhang öffnete und den Blick auf ein liebevoll gestaltetes Wohnzimmer gewährte: mit Blumen und Bildern, mit Ledersofa und Ohrensessel. Die helle und klare Architektur des Raums stand offensichtlich in einem Kontrast zum Innenleben der Figuren, die der strapazierte Hormonpegel wie im "Bäumchen-wechsel-dich-Spiel" in so manch missliche Irrungen und Wirrungen schickte:
Der Ehemann fand sich als Bruder, dann als Schwester wieder, der Nachbar wurde zum Opa erkoren, der Wellness-Schatten zum Ehemann und der Sohn zur Tunte. Nur der richtige Opa schien keinen Hehl aus seinem Ansinnen zu machen und lief den Frauenröcken hinterher - koste es, was es wolle.
Die Akteure gingen in ihren Rollen auf. Einen kuriosen Part übernahm Rudolf Wolf als Opa Otto, der mit blumigen Parfüms und "Omm-nibus"-Mediatationen in weiblichen Gefilden landen wollte. Immer wieder tauchte er quietschfidel und in farbenprächtigen Facetten auf - als Indianer und mit der Kraft des Schamanen, als Orientale, der den direkten Draht zur Göttin Shiva anvisiert, oder als knarziger Alpenländer mit Strohhut und langem Bart.
Bei dem Beamten Erwin Schläfer, gespielt von Peter Jeckel, zog eine Kur lange Schatten nach sich. Klar: die kleine Liaison weckte neue Lebensgeister. Dass ihm Klara von Geldig (Cordula Munkes) nach Bensheim folgte, brachte ihn mächtig in die Bredouille. Da half nur eins: eine neue Identität mit Blondinen-Perücke, Frauenkleidern und hochgeschraubter Stimme. Dem Akteur ist der Spagat zwischen den beiden Figuren, zwischen Erwin Schläfer und seiner neuen Rolle Adele Kehraus, eindrucksvoll gelungen.
Hinzu kam als prickelnde Facette, dass er Undercover zuschauen konnte, wie seine Frau dem Charme eines Franzosen auf den Leim ging. Sonja Rödel spielte die Figur zwischen Sehnsucht und Vernunft. Sie genoss das Gegengewicht zur Tristesse des ehelichen Alltags sichtlich - nicht ahnend, dass unter den Zuschauern ihr eigener Ehemann saß. Daniel Faust spielte die Wellness-Bekanntschaft, französelte die Komplimente und lag Emma zu Füßen.
Viel Zündstoff
Kräftiger Zündstoff lag in der Luft, der mit Prisen an Situationskomik zusätzlich angeheizt wurde - zum Spaß des allwissenden Zuschauers. Eine weitere Kohle im Ofen kam mit dem Auftritt von Klara von Geldig hinzu, die nicht nur vermögend sein sollte. Sie trat wie eine raumgreifende Diva aufs Parkett und fiel just dem in die Arme, der unter den Pantoffeln seiner Schwiegermutter stand: Schläfers Freund Rolf Taube, gespielt von Friedhelm Volk.

Familiäres Wirrwarr


Einen weiteren Mosaikstein im familiären Wirrwarr fügte Sohn Lars (Klaus-Dieter Melzer) hinzu. Denn auch er ließ nichts anbrennen und zog sich die Internetbekanntschaft seines Opas an Land. Ramona (Melanie Vollrath) fing Feuer. Die verquere Situation im Hause der Schläfers kam zur Unzeit. Die Reporterin Sabine Klick brachte ein unliebsames Räderwerk ins Rollen, als sie mit einem 25 000 Euro-Scheck winkte. Daniela Zeig glänzte in der Rolle vor allem, als sie eine Frau mimte, die viel zu tief ins Glas geguckt hatte.
Mit dem prickelnden Stoff lief die Oald-Bensem-Theatertruppe wieder zur Bestform auf und hinterließ ein restlos begeistertes Publikum. Zumal das Stück nicht nur von einer raschen Aufeinanderfolge von situativer Komik lebte. Im Bensheimer Dialekt sprühten die Akteure mit einem originären Charme und brachten selbst Zungenbrecher wie "Maiglöckelscheduft" im sonoren Klang über die Lippen.
Als unverzichtbare Oald-Bensem-Akteure hinter der Bühne wirkten Andrea Jünemann, die soufflierte, sowie Doris Walter und Stephanie Walter, die in der Maske für die passende Optik der Lustspieldarsteller sorgten.

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