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Joseph Stoll ExLibris aus der Feder von Joseph StollIch begann noch im Jahre 1900 mit dem Studium der Architektur an der Technischen Hochschule Darmstadt. Ich ergänzte dieses Studium durch einen weiteren Studiengang in Karlsruhe und München, nämlich im Fachgebiet des Kunstgewerbes (Vorexamen). Doch schon bald zog es mich wieder in meine Heimat zurück und ich wurde Assistent des Hochschulprofessors für Ornamentzeichnen und Modellieren Augusto Varnesi. Nachdem ich so die Jahre von 1905 bis 1907 in Darmstadt zugebrachte hatte, erhielt ich 1907, gemäß der damals geforderten Qualifikationen, eine Stelle in Bensheim als Lehrer an der Gewerbe- und Malerschule. Mein Beruf war sogleich mein Hobby und ich richtete mir ein kleines Atelier im Nebenbau unseres Wohnhauses ein. Hier erstellte ich kunstgewerbliche Entwürfe aller Art: Werbeplakate für Kinos, Elektrogeschäfte und kleinere Betriebe, "Exlibris" für den Hausgebrauch, Programmheftchen für Theater- und Gesangsabende etc. Ich nutzte aber auch mein architektonisches Wissen, um Fassaden zu verschönern, wobei mein eigenes Haus im Jahre 1911 eine Verschönerung erfuhr, die 1979 komplett renoviert wurde und noch existiert. Man trifft auch heute noch auf Häuser in Bensheim, die mit der so genannten Graphito-Technik geschmückt sind.

Fassaden in Bensheim mit Graphitoputz gestaltet von Joseph StollNebenbei nutzte ich mein Atelier auch immer wieder um auch für Bensheim tätig zu werden, so zeichnete ich eine Gesamtansicht der Bergstraße, welche durch den Verlag Hofmann als Wandkarte für den Unterricht herausgegeben wurde. Ein solches Exemplar hängt heute noch im Bensheimer Stadtmuseum. Während der Kriege ließ ich auch immer wieder Motive meiner Heimat auf dem Papier in Tusche, Kreide und Aquarell erscheinen. Nach dem 2. Weltkrieg entdeckte ich die Flora als Vorlage und konzentrierte mich auf Blumen in Aquarell, die sich auch in den wirtschaftlich schlechten Zeiten an amerikanische Soldaten verkaufen ließen. Die Vorliebe für diese Motive mag im Beruf meines Mainzer Urgroßvaters "Peter Stoll" liegen, der eine Gärtnerei und eine Orangerie betrieb und ebenfalls Blumen zu Papier brachte. Wenn Sie einige meiner Werke sehen wollen, so klicken Sie einfach auf die Rubrik "Meine Bilder".

Aber nun noch mal chronologisch: Ich war mit dem Studium fertig und war als Lehrer in Bensheim tätig. Doch dann kam der Krieg.